Erbrecht

Tipps: Was tun im Erbfall?

Rechtsanwalt Tobias Goldkamp am 10. Februar 2009

Wer Erbe, Vermächtnisnehmer oder Pflichtteilsberechtigter ist, sollte nach dem Tod des Erblassers zügig handeln, um seine Rechte zu sichern.

  1. Vollmachten widerrufen. Hat der Erblasser zu Lebzeiten Vollmachten erteilt, so gelten diese grundsätzlich auch nach seinem Tod weiter. Der Bevollmächtigte kann also über den Nachlass verfügen. Wenn man dem Bevollmächtigten nicht voll vertraut, sollten Vollmachten widerrufen werden, um unerwünschte Verfügungen zu verhindern. Das Recht zum Widerruf hat jeder Erbe. Ebenso können Bezugsberechtigungen von Lebensversicherungen widerrufen werden, um zu erreichen, dass die Auszahlung in den Nachlass und nicht an Dritte erfolgt.
  2. Letztwillige Verfügungen sichern. Sämtliche vorhandenen Testamente und Erbverträge – auch alte und (vermeintlich) widerrufene – müssen dem Nachlassgericht übergeben werden.
  3. Nötigenfalls ausschlagen. Wer gesetzlich oder durch Verfügung des Erblassers zum Erben bestimmt ist, wird automatisch Eigentümer des Nachlassvermögens und Schuldner aller Nachlassverbindlichkeiten. Will man nicht Erbe werden, z.B. weil der Nachlass überschuldet ist, so muss man beim Nachlassgericht die Ausschlagung erklären. Hierfür gilt grundsätzlich eine Frist von sechs Wochen ab Kenntnis von der Erbschaft.
  4. Streit in der Erbengemeinschaft vermeiden. Sind mehrere Personen zu Erben eingesetzt, bilden sie eine Erbengemeinschaft. Über das Nachlassvermögen darf grundsätzlich nur mit Zustimmung aller verfügt werden, Alleingänge sind – außer in Notsituationen wie z.B. einem Wasserrohrbruch im geerbten Haus – nicht erlaubt. Die Erben sollten sich um eine einvernehmliche Aufteilung des Nachlasses bemühen. Hierzu ist es hilfreich, zunächst ein Nachlassverzeichnis anzufertigen, in dem das Vermögen und die Verbindlichkeiten des Nachlasses aufgelistet werden.
  5. Vermächtnis- und Pflichtteilsansprüche sichern. Wer mit einem Vermächtnis bedacht ist oder einen Pflichtteilsanspruch hat, sollte Auskunfts- und Leistungsansprüche gegenüber dem Erben geltend machen. Pflichtteilsberechtigt können Abkömmlinge, Eltern und Ehepartner des Erblassers sein, die nicht oder mit weniger als ihrem Pflichtteil bedacht werden oder deren Erbe mit Beschränkungen oder Beschwerungen belastet wird. Die Höhe des Pflichtteils hängt von der konkreten Personenkonstellation und vom Nachlasswert ab, den der Erbe durch ein Nachlassverzeichnis mitteilen muss. Besonders zu beachten ist, dass Pflichtteils- und Vermächtnisansprüche verjähren, wenn sie nicht geltend gemacht und durchgesetzt werden.

 
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