Baurecht | Immobilienrecht

OLG Nürnberg (Az. 2 U 1566/06): Architekt haftet wegen fehlender Rechtsberatung über VOB/B!

Rechtsanwalt Ralf Klingen am 3. Februar 2010

Das OLG Nürnberg hat am 13.11.2009 ein nicht rechtskräftiges Urteil verkündet, in dem es wörtlich heißt:

„Der (Architekt) hat sein Architektenwerk dadurch mangelhaft erbracht, dass er nicht darauf hingewirkt hat,  mit dem (Installateur) eine fünfjährige Mängelverjährung anstatt einer zweijährigen zu vereinbaren.“

Der Fall:

Pressmuffen im Wasserleitungssystem eines renovierten Ärztehauses waren nach Ablauf der durch die VOB/B 1996 definierten Gewährleistung des Installateurs von 2 Jahren ab Abnahme undicht geworden. Der Installateur hatte also nichts zu fürchten. Dafür wurde der Architekt mit der Begründung  in Anspruch genommen, er hätte den Bauherrn dahingehend beraten müssen, eine fünfjährige Gewährleistung mit dem Installateur zu vereinbaren. Diesen hätte man dann noch in Anspruch nehmen können.

Die Entscheidung:

Das OLG Nürnberg gibt dem Bauherrn Recht. Denn der mit der Bauleitung und Bauaufsicht beauftragte Architekt müsse nicht nur Kenntnisse der Bautechnik aufweisen, sondern auch Grundzüge des Werkvertragsrechts und der VOB/B beherrschen, um seine Aufgabe erfüllen zu können. Er hätte wissen müssen, dass gerade bei Installationsarbeiten Mängel erst nach einiger Zeit auftreten oder sichtbar werden können und daher auf eine fünfjährige Verjährungsfrist hinwirken müssen.

Anmerkung:

Es bleibt abzuwarten, was der BGH dazu sagt. Das OLG Nürnberg beruft sich zwar in dem Urteil auch auf eine Entscheidung des BGH (NJW 1983, 871 f. ). Dieses Urteil betrifft meines Erachtens aber einen anders gelagerten Fall.

Fazit:

Das OLG Nürnberg liegt auf der Linie einiger Obergerichte, die dem Architekten die Verpflichtung auferlegen, seinen Auftraggeber auch in rechtlicher Hinsicht zu beraten. Der Architekt steckt in einem Dilemma: Er kann (und darf!) die Rechtsberatung nur sehr eingeschränkt leisten. Bei den komplexen Veträgen besteht schnell die Gefahr, falsch zu beraten. Ob er berät, oder nicht berät, in jedem Fall eröffnen sich Haftungsrisiken. Ausweg:  Den Bauherrn auffordern, in rechtlichen Fragen anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen! Wenn der Bauherr ablehnt und auf die Beratungspflicht des Architekten verweist, sollte der Architekt selber seinen Anwalt aufsuchen.

Rechtsanwalt Ralf Klingen
Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht
Fachanwalt für Arbeitsrecht
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Tel. 02131/9665-55

Rechtsberatung:

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