Erbrecht

Folgen einer Erbschaft

Ann-Kristin Wedemeyer am 13. Juni 2020

Ist der Erbe kraft Gesetzes oder aufgrund gewillkürter Erbfolge zum Erben bestimmt, tritt er nach dem Grundsatz der Universalsukzession, die die Gesamterbfolge bestimmt, gem. § 1922 Abs. 1 BGB in alle Rechte und Pflichten des Erblassers ein.

Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben, bilden diese gem. § 2032 Abs. 1 BGB eine Erbengemeinschaft. Das bedeutet, dass alle Erben jeweils in alle Rechte und Pflichten des Erblassers eintreten. Der Nachlass ist gemeinschaftliches Vermögen der Erben. Die Erbengemeinschaft ist gem. §§ 2032 Abs. 2, 2042 Abs. 1 BGB auf Auseinandersetzung gerichtet. Bis zur Auseinandersetzung sind die Erben zur gemeinschaftlichen Verwaltung des Nachlasses verpflichtet. Es kann grundsätzlich nur an alle Erben gemeinschaftlich geleistet und diese auch nur gemeinschaftlich in Anspruch genommen werden. Ebenso können die Erben nur gemeinschaftlich über einzelne Nachlassgegenstände verfügen.

Der Erbe haftet grundsätzlich für alle Nachlassverbindlichkeiten, § 1967 Abs. 1 BGB. Sind mehrere Erben vorhanden, haften diese gesamtschuldnerisch, § 2058 BGB. Bis zur Auseinandersetzung kann sich in der Regel jeder Miterbe auf den § 2059 Abs. 1, S. 1 BGB berufen und den Eingriff in sein Vermögen außerhalb des Nachlasses verweigern. Der Schuldner wird demnach angehalten, sich vorerst aus dem ungeteilten Nachlass zu befriedigen.

Mit Anfall der Erbschaft gehen alle Rechte und Pflichten sowie der Besitz des Erblassers automatisch kraft Gesetzes gem. §§ 1922, 857 BGB auf den Erben über. Verhindert werden kann dies mittels der Ausschlagung der Erbschaft, § 1942 Abs. 1 BGB. Die Ausschlagung kann nur innerhalb von sechs Wochen ab Kenntnis des Anfalls der Erbschaft und dem Grunde der Erbenberufung bzw. Bekanntmachung der Verfügung von Todes wegen durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht erfolgen. Wird die Erbschaft nicht ausgeschlagen, gilt sie als angenommen. Die Annahme der Erbschaft kann nur mittels einer Anfechtung der Annahme, die als rechtzeitig erfolgte Ausschlagung gilt, rückgängig gemacht werden, §§ 1954 ff. BGB. Ein häufiger Fall der Anfechtung ist die Überschuldung des Nachlasses. Die Anfechtung muss innerhalb von 6 Wochen ab Kenntniserlangung des Anfechtungsgrundes gegenüber dem Nachlassgericht erklärt werden. Die Ausschlagung der Erbschaft kann mit der Folge angefochten werden, dass bei wirksam erfolgter Anfechtung die Erbschaft als angenommen gilt.

Die Annahme der Erbschaft kann auch konkludent durch den Erben erfolgen. Dies ist dann der Fall, wenn der Erbe Gegenstände aus dem Nachlass veräußert und dadurch nach außen hin den Anschein erweckt, er habe die Erbschaft angenommen. Keine konkludente Annahme liegt dagegen bei reinen Erhaltungsmaßnahmen vor.

Ann-Kristin Wedemeyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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