Erbrecht

Erbengemeinschaft auflösen: Ausscheiden gegen Auszahlung

Rechtsanwalt Tobias Goldkamp am 21. März 2020

Die Erben können ihre Gemeinschaft auflösen, indem sie einen der Miterben auszahlen. Ein solches Ausscheiden eines Miterben nennt man Abschichtung.

Auseinandersetzung des Nachlasses durch Auszahlung

Ein Miterbe kann aus einer Erbengemeinschaft formfrei im Wege der Abschichtung ausscheiden, auch wenn zum Nachlass ein Grundstück gehört. Ob seine Abfindung aus dem Nachlass oder aus dem Privatvermögen des oder der anderen Erben geleistet wird, ist für die Formbedürftigkeit des Ausscheidens nicht von Bedeutung. Nur wenn als Abfindung die Leistung eines Gegenstands vereinbart würde, der nur durch ein formbedürftiges Rechtsgeschäft übertragen werden kann, etwa ein Grundstück, wäre die für dieses Rechtsgeschäft geltende Form zu beachten (BGH, Urteil vom 21. Januar 1998 – IV ZR 346/96).

Anteile ausscheidender Miterben wachsen den in der Erbengemeinschaft verbleibenden Miterben im Verhältnis ihrer bisherigen Anteile an (BGH, Urteil vom 27. Oktober 2004 – IV ZR 174/03).

Scheidet ein Miterbe aus einer aus zwei Personen bestehenden Erbengemeinschaft durch Abschichtung aus, wird die Erbengemeinschaft damit aufgelöst und der Nachlass Alleineigentum des anderen Miterben (BGH, Beschluss vom 30. September 2010 – V ZB 219/09).

Beispiel

Die Geschwister Daniel, Nina und Frank sind Erben ihrer verstorbenen Mutter. Der Erbanteil jedes Kindes beträgt 1/3.

Der Nachlass besteht im Wesentlichen aus einem Hausgrundstück, das 250.000,00 Euro wert ist. Von dem Ersparten der Mutter von 28.000,00 Euro haben die Erben schon die Bestattungskosten von 8.000,00 Euro bezahlt, so dass noch 20.000,00 Euro übrig sind. Der Gesamtwert des Nachlasses beträgt damit 270.000,00 Euro.

Wenn Frank gegen Zahlung von 90.000,00 Euro aus dem Nachlass ausscheidet, wächst sein Anteil Daniel und Nina an, so dass Daniel und Nina der Nachlass nun zu je 1/2-Anteil gehört.

Variante:

Da im Nachlass keine 90.000,00 Euro flüssig vorhanden sind, sondern nur 20.000,00 Euro, müssten Daniel und Nina je 35.000,00 Euro zuschießen.

Daniel will kein eigenes Geld einschießen und kein Darlehen aufnehmen.

Nina hängt an dem Haus und entschließt sich, bei der Bank ein Darlehen aufzunehmen, um Daniel und Frank mit je 90.000,00 Euro auszuzahlen. Damit sind die beiden einverstanden und scheiden aus der Erbengemeinschaft aus.

Nun ist Nina Alleineigentümerin des Nachlasses und damit auch des Hausgrundstücks.

Notariell beglaubigte Erklärung für Nachlassimmobilien

Gehört zum Nachlass eine Immobilie, ist eine Erklärung der Erben in notariell beglaubigter Form nötig, um das Grundbuch berichtigen zu können (§§ 29 I 1 GBO, 129 I 1 BGB). Die Beglaubigung beim Notar kostet in der Regel maximal 70 Euro, ist also viel günstiger als eine notarielle Beurkundung.

Eine entsprechende Erklärung können wir Ihnen entwerfen.

Rechtsanwalt Tobias Goldkamp
Fachanwalt für Erbrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
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