Erbrecht

Gesetzliche Erbfolge

Ann-Kristin Wedemeyer am 12. Juni 2020

Hat der Erblasser keine einseitige Verfügung von Todes wegen getroffen, gilt das gesetzliche Erbrecht.

1. Erbrecht nach Ordnungen

Das gesetzliche Erbrecht ist in Ordnungen aufgeteilt. Die erste Ordnung erfasst die Abkömmlinge des Erblassers, § 1924 Abs. 1 BGB. Die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge fallen unter die zweite Ordnung, § 1925 Abs. 1 BGB. Unter die dritte und letzte Ordnung fallen die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, § 1926 Abs. 1 BGB.

Sind Abkömmlinge der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden, können Abkömmlinge der nachfolgenden Ordnungen nicht erben, § 1930 BGB. Die Kinder und Enkelkinder schließen somit die Eltern und Geschwister des Erblassers aus. Die Eltern und Geschwister des Erblassers schließen dessen Großeltern und deren Abkömmlinge aus.

Innerhalb der ersten Ordnung gilt das Repräsentationsprinzip. Das bedeutet, dass ein noch lebender Abkömmling des Erblassers seine eigenen Abkömmlinge ausschließt. Der Sohn des Erblassers schließt somit seine eigenen Kinder von der Erbfolge aus. Lebt ein Abkömmling des Erblassers nicht mehr, treten dessen Abkömmlinge zu gleichen Teilen an seine Stelle. Hatte der Erblasser zum Beispiel einen Sohn, der im Zeitpunkt des Erbfalls noch lebte und eine Tochter, die vor dem Erblasser verstorben ist und zwei Kinder hinterlässt, kommen als Erben der Sohn und die zwei Kinder der Tochter in Betracht. Die Kinder des Sohnes werden von der Erbfolge ausgeschlossen. Kinder erben immer zu gleichen Teilen. Im Beispielsfall hätten der Sohn und die Tochter des Erblassers zu gleichen Teilen geerbt. Da die Tochter jedoch verstorben ist, erben ihre Kinder ihren Anteil. Die Kinder der Tochter des Erblassers erben somit zusammen den gleichen Anteil wie der Sohn des Erblassers.

Sind keine Abkömmlinge des Erblassers vorhanden, erben die Eltern zu gleichen Teilen. Auch in der zweiten Ordnung gilt das Repräsentationsprinzip. Nur wenn ein Elternteil vorverstorben ist, erben dessen Abkömmlinge seinen Anteil. Hat der vorverstorbene Elternteil keine Abkömmlinge, erbt der andere Elternteil allein.

Sind keine Abkömmlinge der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden, erben die Großeltern zu gleichen Teilen. Die Abkömmlinge eines vorverstorbenen Großelternteils treten an dessen Stelle. Sind keine Abkömmlinge des vorverstorbenen Großelternteils vorhanden, fällt der Anteil dem Teil des Großelternpaars zu, der noch lebt. Leben zum Beispiel noch die Großeltern väterlicherseits, die Großmutter mütterlicherseits sowie die Abkommen des vorverstorbenen Großvaters mütterlicherseits, wird das Erbe in vier Teile geteilt. Das Großelternpaar väterlicherseits und die Großmutter mütterlicherseits erben zu gleichen Teilen. Die Abkömmlinge des vorverstorbenen Großvaters erben den Anteil des Großvaters zu gleichen Teilen. Sind keine Abkömmlinge des Großvaters mütterlicherseits vorhanden, erbt die Großmutter mütterlicherseits seinen Anteil. Sind im Zeitpunkt des Erbfalls ein Großelternpaar und auch deren Abkömmlinge nicht mehr vorhanden, fällt deren Anteil dem anderen Großelternpaar zu.

2. Erbrecht des Ehegatten

Der Ehegatte des Erblassers erbt neben Verwandten der ersten Ordnung ein Viertel, neben Verwandten der zweiten oder dritten Ordnung die Hälfte, § 1931 Abs. 1, S. 1 BGB. Ist ein Großelternteil des Erblassers nicht mehr vorhanden, treten nicht dessen Abkömmlinge an seine Stelle, sondern der Anteil des vorverstorbenen Großelternteils fällt dem Ehegatten zusätzlich zu dem Erbanspruch in Höhe der Hälfte des Nachlasses zu. Leben zum Beispiel die Ehefrau des Erblassers und die Großeltern mütterlicherseits noch, würde der Ehefrau gem. § 1931 Abs. 1, S. 1 BGB die Hälfte des Nachlasses zustehen. Den Großelternpaaren würde zusammen die andere Hälfte des Nachlasses zustehen. Die Großeltern mütterlicherseits erben somit jeweils ein Achtel. Gem. § 1931 Abs. 1, S. 2 BGB fällt der Anteil der vorverstorbenen Großeltern nicht deren Abkömmlingen, sondern auch dem Ehegatten des Erblassers zu. Somit würde die Ehefrau zusätzlich zu der Hälfte des Nachlasses noch ein Viertel des Anteils des Großelternpaares väterlicherseits des Erblassers und damit drei Viertel erben.

Lebte der Erblasser mit seinem Ehegatten in der Zugewinngemeinschaft zusammen, erhöht sich der gesetzliche Erbteil des Ehegatten automatisch um ein Viertel der Erbschaft, §§ 1931 Abs. 3, 1371 Abs. 1 BGB. Im Verhältnis zu den Kindern des Erblassers erbt der überlebende Ehegatte somit die Hälfte.

Im Fall einer vereinbarten Gütertrennung zwischen den Ehegatten, erben der überlebende Ehegatte und die Kinder des Erblassers zu gleichen Teilen, § 1931 Abs. 4 BGB.

3. Erbrecht entfernterer Ordnungen

Sind weder Verwandte der ersten, zweiten oder dritten Ordnung vorhanden, noch ein Ehegatte, erben die gesetzlichen Erben der vierten oder ferneren Ordnungen. Sind dem Erblasser dem Grade nach am nächsten Verwandte auf einer Linie vorhanden, erben diese allein. Abkömmlinge treten nicht mehr an die Stelle ihrer vorverstorbenen Eltern oder Großeltern.

4. Erbrecht des Fiskus

Sind im Zeitpunkt des Erbfalles weder Verwandte noch Ehegatte oder Lebenspartner des Erblassers vorhanden, erbt der Fiskus, § 1936 BGB.

 

Ann-Kristin Wedemeyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
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